LEISTUNGSVERZEICHNIS
1. Gegenstand der Ausschreibung
Gegenstand dieser Ausschreibung ist die Lieferung und der Aufbau einschließlich Einweisung (Leistungsteil A) sowie die Installation, Netzanmeldung und Inbetriebnahme (Leistungsteil B) eines stationären Lithium-Eisenphosphat-Batteriespeichers (LFP-BESS) in Containerausführung zur netzgekoppelten Nutzung. Das System dient der Spitzenlastkappung, dem bidirektionalen Stromhandel sowie der Erhöhung der netzseitig verfügbaren Leistung ohne Ausbau des vorhandenen Netzanschlusses. Eine vollständige Inselfähigkeit und ein Netzersatzanlagenmodus müssen als integrierte Funktionalität erhalten bleiben.
1.1 Leistungsteile
| Leistungsteil A – Festpreis | Lieferung an den Aufstellort, Aufbau des Speichers und Einweisung des Betreibers; als Festpreis anzubieten |
| Leistungsteil B – Projektphase | Elektrische Installation und Netzanschluss, Netzanmeldung beim Netzbetreiber sowie Inbetriebnahme; gesondert anzubieten nach Klärung der bauseitigen Voraussetzungen (Fundament, Netzanschlusspunkt, Anschlussleistung, Aufstellort) |
Die Leistungsteile A und B sind im Angebot getrennt auszuweisen. Leistungsteil B kann zeitlich versetzt beauftragt werden.
2. Technische Mindestanforderungen
Angebote, die die nachfolgend beschriebenen Mindestanforderungen nicht vollständig erfüllen, werden vom Verfahren ausgeschlossen. Gleichwertige Ausführungen sind durch den Bieter nachzuweisen.
2.1 Energiespeicher – Zellen und Kapazität
| Nennkapazität (nutzbar) | Mindestens 2.000 kWh; angebotene Kapazität ist verbindlich anzugeben |
| Systemspannung DC | Mindestens 800 V DC |
| Zelltechnologie | Lithium-Eisenphosphat (LiFePO₄) – ausschließlich; andere Zellchemien sind nicht zugelassen |
| Zellqualifikation | Freigabe durch einen deutschen Maschinenversicherer zwingend erforderlich; Nachweis ist Angebotsbestandteil |
| Referenzzellen | HITHIUM oder technisch und qualitätsseitig nachweislich gleichwertig |
| Zyklenlebensdauer | Mindestens 6.000 Vollzyklen bei ≥ 80 % verbleibender Kapazität (Prüfbedingung: 0,5 C, 20 °C, 90 % DoD) |
2.2 Wechselrichter und elektrische Leistung
| Elektrische Nennleistung DC | Mindestens 1.000 kW Dauerlast, bidirektional |
| Systemarchitektur | Redundante, modulare Leistungsmodule; die Entladeleistung entspricht 0,5 C bezogen auf die Nennkapazität; Ausfall eines einzelnen Moduls darf die Gesamtverfügbarkeit des Systems nicht unterbrechen |
| Netzspannung | 400 V, 3-phasig, 50 Hz |
| Stromqualität | Reiner Sinusstrom; integrierter Trenntrafo 400 V / 400 V zur Oberwellenglättung zwingend erforderlich |
| Anlaufströme | Dokumentation der maximalen Anlaufströme sowie Inrush-Begrenzungskonzept sind Bestandteil der Angebotsunterlagen |
2.3 Betriebsmodi und Schaltvermögen
Das System muss folgende Betriebsmodi ohne zusätzliche externe Komponenten unterstützen:
- Netzparallelbetrieb mit Spitzenlastglättung und -kappung
- Bidirektionaler Stromhandel (Import / Export)
- Erhöhung der nutzbaren Netzanschlussleistung ohne bauliche Erweiterung des Netzanschlusses
- Netzersatzbetrieb mit integrierter automatischer Notstromumschaltung
- Schwarzstartfähigkeit (ohne Einspeisung aus dem öffentlichen Netz)
- Vollständiger Inselbetrieb
2.4 Kühlung – Immersionskühlung
Das Angebot muss ein aktives Flüssigkeitskühlsystem auf Basis von Direktkontakt-Immersionskühlung (Single-Phase Immersion Cooling) umfassen. Die Batteriezellen müssen vollständig in einem dielektrischen, nicht leitenden Kühlfluid eingetaucht betrieben werden.
Mindestanforderungen an das Kühlsystem:
- Direktkontakt-Immersionskühlung je Batteriemodul (kein indirekter Plattenkühlkörper, kein Luftkühlsystem)
- Dielektrisches Kühlmedium mit Sicherheitsdatenblatt und Nachweis der chemischen Verträglichkeit mit den eingesetzten Zellen
- Aktive Temperaturregelung mit kontinuierlicher Überwachung je Batteriepack
- Maximale Zelltemperaturspreizung im Betrieb: ≤ 3 K zwischen kältester und wärmster Zelle
- Nachweis thermischer Stabilität bei Umgebungstemperaturen von −20 °C bis +45 °C
- Integriertes Leckageerkennungssystem mit Alarm und automatischer Abschaltsequenz
2.5 Brandschutz
| Brandfrüherkennung | Integrierte Brandmeldeanlage innerhalb jedes Batteriepacks, zertifiziert nach geltenden deutschen Normen |
| Präventives System | Präventives Brandunterdrückungssystem innerhalb der Batteriepacks zwingend erforderlich |
2.6 Steuerung und Konnektivität
| Bedienung | Lokaler Touch-Computer mit grafischer Benutzeroberfläche |
| Steuerungsmodi | Manuell, zeitgesteuert, ferngesteuert |
| Kommunikation | MODBUS TCP/RTU; EMS-Schnittstelle vorbereitet |
| Skalierbarkeit | Parallelschaltung und gemeinsame Steuerung von bis zu 32 Einheiten |
2.7 Gehäuse und Aufstellung
| Containertyp | 20-Fuß-Standardcontainer (ISO 668), Allwetterfähigkeit; Außenmaße dürfen ISO-Normmaß nicht überschreiten (max. 6.058 × 2.438 × 2.591 mm) |
| Farbe | Nach Wahl des Auftraggebers; RAL-Angabe erfolgt bei Auftragserteilung |
| Gesamtgewicht (ca.) | Ist im Angebot verbindlich anzugeben (vollbestückt) |
| Aufstellungsart | Außenaufstellung, keine Gebäudeintegration erforderlich |
2.8 Aufbau und Systemkomponenten
Batteriemanagementsystem (BMS)
Das integrierte BMS muss folgende Parameter einer permanenten Überwachung sicherstellen:
- Zellspannung – lückenlose Einzelzellüberwachung
- Modultemperatur – messpunktgenaue Erfassung je Modul
- Ladestrom und Entladestrom
- State of Charge (SOC) und State of Health (SOH)
Automatische Schutzabschaltung muss bei folgenden Ereignissen ausgelöst werden:
- Über- oder Unterspannung auf Zellebene
- Übertemperatur
- Kurzschluss
- Erdschluss
Batteriesystem
- Seriell/parallel verschaltete Zellmodule mit dokumentiertem Verschaltungskonzept
- Einzelzellüberwachung auf Zellebene: Spannung und Temperatur
- Aktives oder passives Zellbalancing zwingend erforderlich
- Kommunikationsschnittstellen: CAN, RS485 und Ethernet (mindestens zwei gleichzeitig aktiv)
Energiespeicherumrichter
- Bidirektionaler Wechselrichter, netzsynchron und nativ inselfähig
- Netzanschluss 400 V, 3-phasig, 50 Hz
- Netzparallelbetrieb mit Spitzenlastkappung (Peak-Shaving)
- Aktives Lastmanagement
- Wirkleistungs- und Blindleistungsregelung (PQ-Regelung)
- Virtual Synchronous Generator Funktion (VSG) zur Bereitstellung synthetischer Trägheit
2.9 Dokumentation bei Fertigstellung
Mit Fertigstellung des jeweiligen Leistungsteils (A bzw. B) sind folgende Unterlagen dreifach in Stehordnern zu übergeben:
- Inhaltsverzeichnis und Anlagenbeschreibung
- Funktionsbeschreibung
- Konstruktions- und Aufbaupläne
- Technische Datenblätter aller Komponenten
- Inbetriebnahmeprotokolle mit sämtlichen Mess- und Einstellwerten
- Messprotokolle der Isolationsmessungen
- Messprotokolle zur Prüfung der Schutzmaßnahmen
- Garantiebescheinigungen und Garantiebedingungen
- Betriebsanleitungen der Wechselrichter und der Fernüberwachung
- Bedienungs- und Betriebsanleitungen aller Hauptkomponenten
- Einweisungsprotokoll mit Unterschrift des Betreibers
- Konformitätsbescheinigungen und Unbedenklichkeitsbescheinigungen
- Fachunternehmererklärung
- Strangschema der Anlage
- Verteilerpläne in EPLAN
Sämtliche Unterlagen sind zusätzlich digital auf USB-Stick im PDF-Format zu übergeben.
3. Service und Garantie
| Garantie Bauteile | Mindestens 4 Jahre auf alle Bauteile außerhalb der Batteriezelle |
| Hotline | Deutschsprachige Service-Hotline, kostenlos, Laufzeit nicht befristet |
| Ersatzteillogistik | Expresslieferung (DHL Express oder gleichwertig) für Ersatz- und Verschleißteile |
| Engineering-Cloud | Kostenfreier Zugang zu einer herstellerseitigen Ingenieur-Cloud-Plattform für Monitoring, Diagnose und Konfiguration |
| Reaktionszeit | Maximale Reaktionszeit auf Support-Anfragen ist im Angebot verbindlich anzugeben |
4. Nachweise und Unterlagen
Mit dem Angebot sind zwingend einzureichen:
- Datenblatt Batteriezelle mit Angabe des Herstellers, Zellformats und elektrochemischer Kenndaten
- Freigabedokument eines deutschen Maschinenversicherers für die eingesetzten LFP-Zellen
- Technisches Datenblatt des Immersionskühlsystems inkl. Sicherheitsdatenblatt des Kühlfluids
- Nachweis thermischer Leistungsfähigkeit (Simulation oder Messprotokoll bei Volllast)
- Schaltplan / Einliniendiagramm des Gesamtsystems
- Referenzliste von mindestens zwei realisierten BESS-Projekten ≥ 1.000 kWh in Deutschland oder der EU (Ansprechpartner und Inbetriebnahmejahr)
- CE-Konformitätserklärung und Liste der angewandten Normen
- Bei Lieferungen aus Drittstaaten oder durch Anbieter ohne EU-Niederlassung: schriftliche Benennung eines EU-Bevollmächtigten gemäß EU-Produktsicherheitsrecht (Verordnung (EU) 2023/988 bzw. anwendbare Produktverordnung) zwingend erforderlich; Name, Anschrift und Kontaktdaten sind Angebotsbestandteil
5. Fristen und Einreichung
| Angebotsfrist | [Datum einsetzen] |
| Bindefrist | 90 Tage ab Angebotsabgabe |
| Einreichungsform | Elektronisch in einem gesicherten PDF/ZIP-Paket, verschlüsselt |
| Kontakt / Einreichungsadresse | [Auftraggeber und Kontaktdaten einsetzen] |
| Rückfragen | Schriftlich bis [Datum einsetzen]; Beantwortung erfolgt an alle Interessenten |
Referenzprodukt gemäß Leistungsverzeichnis
Als Referenzsystem, das die vorstehenden Mindestanforderungen vollständig erfüllt, gilt das Modell SCU FICTion 2080, erhältlich über den autorisierten Vertriebspartner:
LadeEngel – Oliver Kalz e.K.
Wanninchener Straße 8 · 15926 Luckau / OT Görlsdorf · Deutschland
Tel.: +49 (0) 3544 555851 | E-Mail: verkauf@ladeengel.de
Web: www.ladeengel.de
Handelsregister: Amtsgericht Cottbus · HRA 2991
Gleichwertige Systeme anderer Hersteller werden zugelassen, sofern der Bieter die technische Gleichwertigkeit mit den in diesem Leistungsverzeichnis definierten Mindestanforderungen vollständig und nachvollziehbar dokumentiert. Die Beweislast für die Gleichwertigkeit liegt beim Bieter. Eine bloße Herstellererklärung ist nicht ausreichend.